30.06.2017

Widersprüche zwischen Testament und Gesellschaftsvertrag vermeiden

Vererben von Gesellschaftsanteilen

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Mancher Unternehmer möchte seine Gesellschaftsanteile, z.B. an einer GmbH oder OHG, nicht schon zu Lebzeiten übertragen, sondern erst im Todesfall „vererben“. Dann muss er allerdings darauf achten, dass seine letztwillige Verfügung (Testament, Erbvertrag) nicht dem Gesellschaftsvertrag widerspricht – sonst kann sein letzter Wille ins Leere laufen. Lesen Sie mehr.

Zusammenspiel von Erbrecht und Gesellschaftsrecht

Da die gesellschaftsrechtlichen Bestimmungen den testamentarischen Anordnungen vorgehen, müssen Sie zwingend bei Ihrer Testamentserrichtung die Regelungen in Ihrem Gesellschaftsvertrag berücksichtigen. Wenn es darin Widersprüche zu Ihrem letzten Willen gibt, sollten Sie rechtzeitig versuchen, die Mitgesellschafter zu einer Vertragsänderung zu bewegen.

Anteile an Kapitalgesellschaften

Geschäftsanteile an einer GmbH sind zwar ausdrücklich vererblich (§ 15 Abs. 1 GmbHG). In der Satzung kann allerdings festgelegt sein, dass die Geschäftsanteile abgetreten werden müssen oder eingezogen werden können, wenn die Vorgaben in der Satzung nicht eingehalten werden. Aktien sind ebenfalls frei vererblich. Nur bei Namensaktien kann die Übertragung von der Genehmigung durch die Gesellschaft abhängig gemacht werden (§ 68 Abs. 2 AktG).

Anteile an Personengesellschaften

Anteile an Personengesellschaften sind hingegen nicht frei vererblich. Wenn im Gesellschaftsvertrag vorgesehen ist, dass z.B. nur Abkömmlinge in den Gesellschaftsanteil nachfolgen dürfen, kommen Erben, die keine Abkömmlinge sind, erst gar nicht in die Gesellschaft rein. Die im Gesellschaftsvertrag als Gesellschafter zugelassenen Personen können hingegen nicht in den Gesellschaftsanteil nachfolgen, weil sie nicht Erben sind. Für diesen Fall, kann der Gesellschaftsvertrag sogar vorsehen, dass der Gesellschaftsanteil des Erblassers entschädigungslos untergeht.

Um diese meist ungewollten Folgen zu vermeiden, sollten Sie sich unbedingt sowohl bei der Gestaltung des Gesellschaftsvertrages als auch bei der Errichtung Ihres Testamentes durch einen im Erb- und Gesellschaftsrecht qualifizierten Notar beraten lassen. Die entsprechende Qualifikation können Sie z.B. durch die Fachanwaltstitel erkennen.

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