06.07.2017

Unternehmerische Treiber der Digitalisierung

Creative Leader

Fotolia - vectorfusionart

Alle erfolgreichen digitalen Innovationen der letzten Jahre sind Erfindungen von etablierten Unternehmern, jungen Gründern oder Gründerteams meist aus dem Silicon Valley, zunehmend auch aus Israel. Sie sind die treibende Kraft. Ohne Creative Leader mit unternehmerischer Verantwortung wird es eher selten bahnbrechende digitale Innovationen geben. 

Creative Leader sind Querdenker, die sich durch größeren Einfallsreichtum und höhere Risikobereitschaft auszeichnen. Sie sind offen für Neues und verknüpfen häufig Dinge auf ungewohnte Art und Weise. Creative Leader sind stark an der Realisierung ihrer Ideen interessiert und arbeiten sie bis ins Detail aus. Sie träumen, spielen mit Ordnungen und Ideen, lieben die Mehrdeutigkeit und glauben stets an sich selbst. Neben Leidenschaft ist auch großes Fachwissen nötig. Kreativität ist also bis zu einem bestimmten Maß erlernbar. Zumindest können Motivation und Fachkompetenz fehlende natürliche Begabung teilweise ersetzen.

Vorteile des Mittelstands

Der kreative Prozess im Mittelstand ist untrennbar mit den Unternehmerpersönlichkeiten verbunden. In Großunternehmen handeln dagegen angestellte Führungskräfte, so dass das Unternehmerische durch Methoden wie Design Thinking simuliert werden muss. Innovative Querdenker haben es in Konzernen schwer. Es dominieren Spezialisten, die nicht radikal genug denken (dürfen) und eher inkrementale Innovationen hervorbringen, also Neuerungen in Trippelschritten. Die vielen Tausend Patente, die deutsche Unternehmen jedes Jahr anmelden, enthalten selten den großen Wurf. Das war schon mal anders, wenn man an die großen Erfindungen deutscher Tüftler denkt, z. B. Antibiotika, Aspirin, Auto, Buchdruck, Dieselmotor, Dübel, Düsentriebwerk, Dynamo, Fernsehen, Gleitflugzeug, Glühbirne, Hubschrauber, Kernspaltung, Kleinbildkamera, Magnetschwebebahn, Motorrad, MP3, Plattenspieler, Relativitätstheorie, Röntgenstrahlen, Scanner, Straßenbahn, Telefon und Tonband.

An Apple sieht man sehr schön, wie die schöpferische Kraft des Vollblutunternehmers Steve Jobs fehlt. Apple zehrt im Augenblick noch von den Nachwirkungen seines Schaffens. Selbst das neue Headquarters geht noch auf Jobs zurück. Durchschlagende Neuentwicklungen sind nicht erfolgt. Apple Music und die Apple Watch sind eher Flops. Den Trend bei Virtual Reality, Mixed Reality, Künstlicher Intelligenz und Roboter setzen andere Player. Es hat den Anschein, dass der alte Apple-Garde die Ideen ausgegangen sind und das iPhone als Cash cow gehörig „melken“. In China verliert Apple sogar gewaltige Marktanteile. Dennoch hat Apple noch ein riesiges Finanz- und Vertrauenspolster.

Anders dagegen Jeff Bezos von Amazon, mittlerweile zweitreichster Mann der Welt. Er treibt sein Unternehmen mit kreativen Ideen unermüdlich an und schafft ein neues Geschäftsmodell nach dem anderen. Das war bei den deutschen Konzernen vor mehr als hundert Jahren auch nicht anders, als die Gründer wie Daimler und Siemens noch aktiv waren. Der Übergang vom gründerdominierten und erfindungsreichen Familienunternehmen zu einem Konzern mit angestellten Managern ist unter Innovationsgesichtspunkten nicht einfach.

Wer hat den Hut auf?

Die zentrale Frage in jedem Unternehmen, das sich der Digitalisierung stellen möchte, lautet daher: Wer ist bei uns der Creative Leader in der Geschäftsführung? Das können auch Teams sein. So gibt es als treibende Digitalisierungskräfte z. b. beim Luxusarmaturenhersteller Dornbracht aus Iserlohn die Unternehmerbrüder Matthias und Andreas Dornbracht und beim führenden Systemlieferanten für Türen ECO Schulte aus Menden die beiden Brüder Heinz und Tobias Schulte. Wem als Unternehmer oder Selbstständiger die Affinität oder Kraft für die digitale Transformation im eigenen Unternehmen fehlt, muss sich für die Besetzung der Stelle des Chief Digital Officers eine adäquate Lösung überlegen. Das können die eigenen Kinder wie beim Heizungshersteller Viessmann oder externe Lösungen wie bei VW sein.

copyright emivo GmbH

Newsletter

Jetzt kostenlos registrieren und monatlich unsere neuen Praxistipps für den Mittelstand lesen. Sie erhalten neue Impulse und bleiben in über 30 Themenfeldern aus Recht, Steuern, Betriebswirtschaft, Marketing, Personal und Digitalisierung auf dem Laufenden.

Mitglied im Netzwerk werden

Dr. Michael A. Peschke

Geschäftsführer der emivo GmbH und Digitalisierungsexperte informiert hier über aktuelle digitale Trends, Strategien und Praxislösungen. 

XING-Profil

Drucken